Es tut sich wiedermal kulinarisch unglaubliches im Büro. Es geht um unseren Trostschrank. Wie ich schon erklärte - andere haben tröstende Süßigkeitenladen unter ihrem Schreibtisch. Wir kleckern nicht rum, wir klotzen - um unseren Bedarf an süßer Nervennahrung zu decken, benötigen wir zur Bevorratung einen ganzen Kasten. Unser Trostschrank steht in süßer Opposition zur bitteren Realität des Jobs. Es wäre kein Honigschlecken, arbeiten zu gehen ohne zu naschen. So beißen wir wenigstens nicht auf Granit, sondern auf Zucker. Zugegeben, wir arbeiten in keiner Kohlengrube, doch manchmal, ja manchmal könnt' man es meinen.
Während des Jahres sammelt sich nun so dies und das in einem der Kasten-Regale - ein ständiger Wechsel aus Keksen, Schokoladen, Zuckerln, Kuchen, Bonbonnieren, Riegeln, etc. etc. Ab und zu mischt sich Salzgebäck darunter, das läuft aber meistens ab. (Wir essen auch abgelaufenes Zeug, aber nur wenn's süß ist. Allerdings: Die abgelaufene Diätschokolade machte sogar uns ob des schlechten Geschmacks stutzig.) Regelmäßig wird nachgekauft, damit wir was zum Kaffee dazuhaben oder damit wir uns - bevor wir in Tränen (oder in Rage) ausbrechen - nach echauffierender Tätigkeit belohnen und trösten können.
Vor Weihnachten ist es aber ein wenig anders. Aus allen Himmelsrichtungen kommen Menschen, die uns als kleinen Weihnachtsgruß die eine oder andere Süßigkeit mitnehmen. Was uns ungeheuer freut, dann brauchen wir nix nachkaufen und vor allem werden Leckereien gebracht, die wir nie selbst kaufen würden. (wir kaufen meisten die billigeren Kekse - schmecken auch) Diese Weihnachtsaufmerksamkeiten übersteigen jedoch unseren stetigen Schokoladen- und Kekskonsum enorm (und wir sind gut im schnellen Essen von besonders großen Tafeln Schoki oder den 1000g-Packungen Keksen). Jeder von uns fungiert als Zubringer geschenkter Süßigkeiten, von denen er nicht alleine dick und kugelrund werden will. Frei nach dem Grundsatz: Geteilte Kalorien sind halbe Kalorien! Somit füllt sich der Trostschrank immer mehr, ein zweites Regal wird "eröffnet", um die süße Last zu tragen. Jeder Zugang wird mit Freudenausrufen der Anwesenden gutiert, es wird hingebungsvoll herum- und zugeschlichtet.
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| Lagerzwischenstand am 19.12. Das ist noch lang nicht alles |
Das ganze nimmt Formen an wie bei den Eichhörnchen, die sich für den Winter bevorraten. Das Ergebnis: Ein übervoller, fast ekelhaft gefüllter Süßigkeitenschrank. Rund 1.000.000 Kalorien auf einem Haufen. Es plagt uns die Qual der Wahl aus tausenden Köstlichkeiten das für die Stunde (oder auch nur für Sekunden) richtige auszuwählen. Hin und wieder erleichtern wir unser eigenes Hüftgold, indem wir Bestechungsbonbonnieren in die Buchhaltung transferieren - zur Abrechnungs- und Bilanzzeit ist diese Vorgehensweise nicht zu unterschätzen!
Ich habe das letzte Mal schon Einhalt gefordert, das Elend mit dem zukünftigen Übergewicht und drohenden Nulldiäten nicht noch zu vergrößern. Vergebens. Wir horten mit liebevoll-irrem Blick alles, was den Gaumen in süßer Art und Weise verwöhnt. Auch mein Schrei nach einer Selbsthilfegruppe für Schokoladenabhängige verhallte ungehört im Besprechungszimmer.
Was bleibt also anders übrig, als nach den Weihnachtsfeiertagen ein Post-It mit Datum und Uhrzeit (da sind wir genau) in den Schrank zu kleben. Damit wir wissen, wie schnell sich zu elft eine Million Kalorien vertilgen lassen. Damit wir danach über uns alle richtig bestürzt sein können und uns auf der Stelle trösten müssen... Voriges Jahr hörten wir ca. Mitte Februar (die Idee mit dem Post-It war da noch nicht ausgereift genug) den gellenden Schrei des Entsetzens: "Es is nix mehr da!!!" zum ersten Mal. Ich kann uns für diese Sucht nicht gut leiden, befinde mich jedoch in völliger Abhängigkeit ohne Aussicht auf Entzug. (eventuell ein 12-wöchiger Krankenstand würde helfen - zu Hause gibts nix süßes). Aber spätestens nach der nächsten problemewälzenden Sitzung, dem übernächsten Krisentelefonat oder einem Außendienst bei widrigen Verhältnissen mag ich uns für diese Lasterhaftigkeit dann wieder sehr, sehr, sehr gern'!

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